Gek Solanik lotet die Grenzen zeitgenössischer figurativer Malerei aus. Geprägt durch zwei künstlerische Welten – die klassische St. Petersburger Akademische Schule auf der einen, das deutsche Konzeptdesign (UdK Berlin, Kunsthochschule Weißensee) auf der anderen Seite – hat er eine Ästhetik entwickelt, die in der modernen Kunstkritik als „konstruierter Realismus" oder „Sottorealismus" bezeichnet wird.
Solanik dokumentiert die Realität nicht – er inszeniert sie. Seine Leinwände sind hermetische Mise-en-scènes, in denen der Raum zur theatralischen Kulisse wird. Im Dialog mit Arbeiten von Aris Kalaizis und Marianna Gartner entzieht er seinen Sujets die lineare Zeit. Seine Figuren verharren in einem „Play dead"-Zustand – gefangen in einem Moment zwischen Schlaf, Levitation und tiefem psychologischen Eintauchen. Verstärkt wird dieser Effekt durch den Rückgriff auf Kompositionsschemata europäischer Stiche des 15. Jahrhunderts: Pyramidale Strukturen und die Statuarik der Figuren überträgt Solianik in das Vakuum eines abstrakten, vibrierenden Raums.
Ein wesentlicher Teil von Solaniks künstlerischem Narrativ gilt der Neuinterpretation archetypischer Themen. Im Zyklus Töchter der Judith (2024–2025) desakralisiert er die Szene biblischer Gewalt und verwandelt die Heldentat in ein stilles, zeitloses Ritual. Das abgeschlagene Haupt wird Teil des Stilllebens – gleichberechtigt mit Zitronen oder Blumen. Genau hier entsteht ein Effekt des Unheimlichen, im Freudschen Sinne des „Uncanny": Das Vertraute kippt, ohne dass man genau sagen kann, warum.
Der statischen Welt der Menschen setzt Solanik einen „kinetischen Kontrapunkt" entgegen: die lebendige Natur. In seiner Fisch-Serie werden Fischmotive (Ichthys) zu den einzigen Trägern von Bewegung in einer erstarrten Welt. Fische sind in Solianiks Arbeiten Marker eines oneirischen, also traumartigen Raums – wie Gedanken oder Träume driften sie frei durch die dichte Materie der Leinwand und ignorieren physikalische Gesetze.
Technisch arbeitet Gek Solanik mit einer Synthese aus Malerei und Mixed Media. Seine Erfahrung im Textildesign hat sich dabei in eine besondere Methode übersetzt: Er integriert Fäden direkt in die Struktur der Leinwand. Ganz im Sinne der Recherchen von David Hockney zum Spannungsfeld von Fläche und Tiefe nutzt Solianik den Faden als physisches Objekt, das die malerische Illusion gezielt durchbricht. Das verleiht seinen Arbeiten eine besondere Haptik und Spannung – und verwandelt das Gemälde von einem „Fenster zur Welt" in ein komplexes, zusammengesetztes Objekt.